Legionellen im Trinkwasser: Risiken, Prüfpflichten und Schutzmaßnahmen
Legionellen sind Bakterien, die in warmem Wasser leben und beim Einatmen von Wasserdampf — zum Beispiel beim Duschen — in die Lunge gelangen können. Die Folge kann eine schwere Lungenentzündung sein, die sogenannte Legionärskrankheit. In Deutschland werden jährlich rund 2.000 Fälle gemeldet, die Dunkelziffer liegt deutlich höher. Etwa 10% der Erkrankten sterben.
Das Gute: Legionellen lassen sich durch korrekte Warmwasserbereitung und -verteilung zuverlässig verhindern. Das Schlechte: In vielen Gebäuden wird genau das nicht richtig gemacht.
Wo Legionellen entstehen
Legionellen vermehren sich bei Wassertemperaturen zwischen 25°C und 45°C. Ihr Wohlfühlbereich liegt bei 35–40°C — genau die Temperatur, die viele Sparfüchse am Warmwasserspeicher einstellen. Bei unter 20°C und über 60°C sterben sie ab.
Risiko-Hotspots im Gebäude:
- Warmwasserspeicher mit zu niedriger Temperatur
- Selten genutzte Leitungen — das Wasser steht, die Temperatur sinkt, Legionellen vermehren sich
- Totleitungen — abgesperrte oder stillgelegte Leitungsabschnitte, in denen das Wasser stagniert
- Duschköpfe und Perlatoren — der Biofilm in alten Duschköpfen ist ein idealer Nährboden
- Lange Leitungswege — in großen Gebäuden kühlt das Wasser auf dem Weg ab
Wer ist prüfpflichtig?
Die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) schreibt eine Legionellenprüfung vor für:
- Vermieter mit Mehrfamilienhäusern (ab 3 Wohneinheiten) und zentraler Warmwasserbereitung
- Gewerbliche Betreiber (Hotels, Fitnessstudios, Krankenhäuser, Schwimmbäder)
- Öffentliche Gebäude (Schulen, Kindergärten, Behörden)
Prüfintervall: Alle 3 Jahre (bei gewerblichen Anlagen jährlich).
Die Prüfung darf nur von akkreditierten Laboren durchgeführt werden. Kosten: ca. 150–300 € pro Prüfung (je nach Anzahl der Probestellen).
Achtung: Auch Eigentümer von Einfamilienhäusern sind nicht sicher. Es besteht zwar keine Prüfpflicht, aber die Gefahr ist real — besonders bei alten Warmwasseranlagen.
Grenzwerte und was sie bedeuten
| Ergebnis (KBE/100 ml) | Bewertung | Maßnahme |
|---|---|---|
| < 100 | Kein Befund | Keine Maßnahme nötig |
| 100–1.000 | Erhöhter Befund | Ursachensuche, Maßnahmen planen |
| 1.000–10.000 | Hoher Befund | Sofortige Maßnahmen (Desinfektion, Spülung) |
| > 10.000 | Extrem hoher Befund | Nutzungseinschränkung (kein Duschen!), Sofortmaßnahmen |
KBE = koloniebildende Einheiten. Bei Werten über 100 muss das Gesundheitsamt informiert werden.
Schutzmaßnahmen: Was Ihr Sanitärbetrieb empfiehlt
1. Warmwassertemperatur richtig einstellen
Die wichtigste Maßnahme: Der Warmwasserspeicher muss auf mindestens 60°C eingestellt sein. An der Zapfstelle (Wasserhahn) sollten mindestens 55°C ankommen.
Ja, das kostet mehr Energie als 40°C. Aber es ist die einzige sichere Methode, um Legionellen thermisch abzutöten.
2. Zirkulation sicherstellen
In Gebäuden mit Zirkulationsleitung muss die Pumpe sicherstellen, dass das Warmwasser ständig umgewälzt wird. Die Rücklauftemperatur darf nicht unter 55°C fallen.
3. Stagnation vermeiden
- Alle Wasserhähne mindestens einmal pro Woche voll aufdrehen — auch in Gästezimmern und selten genutzten Bädern
- Vor dem Urlaub: Wasser laufen lassen, nicht die Temperatur runterdrehen
- Nach dem Urlaub: Alle Hähne und Duschen 3–5 Minuten bei voller Temperatur laufen lassen, bevor Sie duschen
4. Totleitungen eliminieren
Wenn bei einem Umbau ein Anschluss stillgelegt wurde, muss die Leitung bis zum Verteiler zurückgebaut werden. Eine einfach zugedrehte Leitung ist ein Legionellen-Brutkasten.
5. Wartung und Hygiene
- Duschköpfe alle 6 Monate reinigen oder austauschen
- Perlatoren regelmäßig entkalken
- Warmwasserspeicher jährlich warten lassen — Sediment am Boden ist ein Nährboden für Bakterien
- Trinkwasserfilter regelmäßig wechseln
Was tun bei positivem Befund?
- Gesundheitsamt informieren (bei Werten über 100 KBE/100 ml Pflicht)
- Ursachenanalyse durch Ihren Sanitärbetrieb — wo liegt das Problem?
- Thermische Desinfektion — das System wird auf über 70°C aufgeheizt und alle Zapfstellen werden durchgespült
- Nachbeprobung nach 4 Wochen
- Langfristige Maßnahmen — Temperatur korrigieren, Totleitungen entfernen, Zirkulation optimieren
Fazit
Legionellen sind kein Grund zur Panik, aber ein Grund zur Sorgfalt. Halten Sie Ihr Warmwasser auf mindestens 60°C, vermeiden Sie stehendes Wasser und lassen Sie Ihre Anlage regelmäßig warten. Wenn Sie unsicher sind oder in einem Mehrfamilienhaus wohnen, sprechen Sie Ihren Sanitärbetrieb an — eine Beratung ist der erste Schritt zur sicheren Trinkwasseranlage.
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